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zurück ENGELCHEN ANNALENA
"Annalena, was machst Du
denn hier so alleine?" Pater Nikolas
hatte sich neben das kleine Mädchen, auf die hölzerne Bank gesetzt.
Annalena erschrak, als sie die Stimme des Paters so plötzlich neben sich
vernahm. "Ich bete!", war ihre knappe Antwort. "Wofür denn, meine Kleine?" "Dass der Weihnachtsmann dieses Jahr unser Haus nicht
vergisst."
Annalena schaute Pater
Nikolas mit großen Augen an. "Nicht
für mich, Pater, für Fredy, meinen kleinen Bruder. Ich bete
dafür, dass er dieses mal etwas bekommt, er ist doch so krank."
"Ja, möchtest Du denn nicht auch was
vom Weihnachtsmann?" "Nein Pater, wenn Fredy
was bekommt, dann ..." Annalena brach weinend ab. |
| * |
"Mama, warum kommt der
Weihnachtsmann eigentlich nicht zu uns?" fragte Fredy seine Mutter, als er an den kleinen Tisch
gehumpelt kam. "Weil der Weihnachtsmann
nicht zu armen Leuten kommt." Das war die
einzige Antwort, die er bekam. |
| * |
Pater Nikolas nahm Annalena in
den Arm, und versuchte sie zu trösten. "Schhhhh, schhhhh meine Kleine, wenn Du ganz, ganz fest
betest, dann hört er Dich vielleicht und hilft Dir." |
| * |
| Langsamen Schrittes stapfte der
in roten Pelz gekleidete Mann mit einem, anscheinend schweren Sack, durch den
Schnee, ohne eine Spur darin zu hinterlassen. Kein einziger Fußabdruck
war im Schnee zu entdecken. Immer wieder stoppte er und schaute gen Himmel, als
ob ihm die Sterne als Straßenkarte dienen würden. Kein einziger
Passant, der seinen Weg kreuzte, bemerkte ihn. Es war, als wäre er
unsichtbar. Andere Menschen, die ihm begegneten, wechselten aus unerfindlichen
Gründen die Straßenseite oder machten einen Bogen um irgend etwas,
das sie nicht sehen konnten. Der Mann schmunzelte. |
| * |
Annalena war nun schon mehr als
eine Stunde in dem Gotteshaus und betete, als Pater Nikolas sich abermals neben
sie setzte. "Geh nach Hause mein Engel,
deine Mutter macht sich doch bestimmt schon Sorgen." Annalena schaute mit großen Augen zum Pater auf.
"Darf ich morgen wieder kommen?"
"Jederzeit," antwortete Pater Nikolas
lächelnd. "Du kannst jederzeit wiederkommen, mein Engel." Annalena verließ die Kirche und machte sich auf ihren
Weg nach Hause. Sie wollte gerade in eine Seitenstraße einbiegen, als sie
mit etwas zusammenprallte. Plumps! Da lag sie im Schnee. Selbst nach mehrfachem
Umschauen konnte sie nicht sehen, was ihren Sturz verursacht hatte. Doch
plötzlich entdeckte sie Spuren im Schnee. Fußspuren.
Stiefelabdrücke, die neu entstanden, obwohl Annalena allein war.
"Hallo! Hallo, wer ist denn da?"
Keine Antwort. Annalena, die noch immer im
Schnee saß, begann zu weinen. |
| * |
"Warum kommt er denn nicht zu
armen Leuten?" fragte Fredy.
"Deren Häuser sind zu klein. Die sieht
er nicht, wenn er darüber fliegt.", antwortete die Mutter.
"Schade!" |
| * |
"Nicht weinen
Annalena", sagte eine dunkle, freundliche
Stimme. "Wenn Du die Tränen trocknest,
dann siehst Du mich auch." Tatsächlich,
kaum hatte sie ihre Wangen getrocknet ... Zuerst konnte man nur die schwarzen,
glänzenden Stiefel sehen, dann begann die roten Pelzhosen sichtbar zu
werden, danach die Jacke, die Mütze und dann sah sie das Gesicht einen
schmunzelnden Mannes. Große Augen blickten zu dem Mann empor.
"Bist Du ..., bist Du ... der..."
"Ja Annalena. Der bin ich. Du hast mich doch
gerufen. Oder?" Annalena nickte.
"Ich war gerade auf dem Weg zu Dir."
"Zu mir?" "Ja, Du hast mich doch gerufen, Annalena. Hier bin ich und
möchte dir einen einzigen Wunsch schenken" "Einen Wunsch für mich?" "Ja, aber nur einen, mein Engelchen. Was möchtest du
denn haben?" Annalena stand auf, klopfte
sich den Schnee von den zerrissenen Hosen und blickte, mit Tränen in den
Augen, zum Weihnachtsmann. "Ich ... ich
möchte ... ein Feuerwehrauto... für Fredy und vielleicht ein paar
Plätzchen für ihn... er hatte noch nie welche." "Für Dich möchtest Du nichts haben? Es ist doch
dein Wunsch, weil ich dich umgerannt habe, Annalena." "Nein, guter Herr, Fredy ist doch noch so klein und krank.
Wir sind doch so arm. Er soll wenigstens eine schöne Weihnacht haben."
Ein Grinsen machte sich auf Sankt Nikolaus
Gesicht breit. "Ich hab nichts anderes
erwartet Annalena aber ich kann dir diesen Wunsch leider nicht erfüllen.
Ich werde dir aber etwas anderes geben. Hier Kleine, hier ein goldener
Tannenzapfen für Dich. Deinen Wunsch, kann nur ein Engel erfüllen,
dazu reicht meine Kraft nicht." Annalena nahm
den Zapfen entgegen und schloss ihn in ihre kleine Hand. Selbst nachdem ihr
Wunsch nicht erfüllt wurde, fühlte sie keine Trauer darüber.
Eine angenehme Wärme ging von dem Tannenzapfen aus.
"Wir sehen uns, mein kleiner Engel", sagte
der Weihnachtsmann und begann sich wieder aufzulösen .
Annalena marschierte, die Hände fest um ihr Geschenk gedrückt, nach
Hause. |
| * |
"Wenn doch Annalena nur bei uns
wäre." Die Mutter schlug die Hände
vor ihr Gesicht und begann zu weinen.
"Annalena würde nicht über uns wegfliegen" sagte Fredy und humpelte näher an seine Mutter, um sie
in seine kleinen Arme zu schließen. |
| * |
Annalenas Weg nach Hause war
nicht mehr lange und selbst bei diesem eisigen Wetter, fror sie nicht. Die
Wärme, die von dem Tannenzapfen ausging, wurde immer stärker. Sie
öffnete die kleine Gattertür und folgte dem steinigen Weg zum Haus.
Als sie in die mäßig warme Stube eintrat, sah sie ihre Mutter
weinend am Tisch sitzen und Fredy, ihren kleinen Bruder, der seine Arme um sie
geschlungen hatte. "Mama, ich bin wieder zu
Hause", sagte sie und berührte ihre
Mutter leicht am Arm. Ihre Mutter schreckte mit geröteten Augen
hoch. "Annalena?" war ihr einzigstes Wort. "Ja, Mutter. Es tut mir so leid, aber ich hab leider nichts
zu essen gefunden." Kaum hatte sie ihren
Satz beendet, als sich auf dem Tisch eine Schale mit Obst und Plätzchen
befand. Der Tannenzapfen begann leicht zu glühen. Fredy und seine Mutter stockte bei diesem Anblick der
Atem. |
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"Ich hab dafür gebetet,
das der Herr uns nur dieses eine mal ein schönes Weihnachtsfest mit einem
glühenden Baum und Geschenken bescheren mag. Aber selbst der
Weihnachtsmann konnte mir nicht helfen." Der
Tannenzapfen wurde immer wärmer und begann nun etwas zu glühen.
"Ich wollte ein Feuerwehrauto für Dich
Fredy, aber ..." Annalena brach ab, kaum
hatte sie das Auto erwähnt, stand vor ihr ein rotes Feuerwehrauto. Fredy
begann zu schreien. |
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| Der Tannenzapfen begann noch
mehr zu glühen. Die Lichtstrahlen drückten sich zwischen den Fingern
Annalenas heraus und hüllten ihre kleinen Hände in einen
Strahlenkranz. Die Wärme die er ausstieß wurde langsam
unerträglich. Annalena wollte ihn loslassen, konnte aber die Hände
nicht öffnen. |
| * |
"Annalena, bist du hier? Meine
Kleine, es tut mir so leid. Annalena ..." Das Leuchten umfasste nun ihre Arme und begann ihren ganzen
Körper langsam einzuschließen. |
| * |
"Bist Du nun
bereit mein Engel?" "Wozu bereit?" fragte
Annalena. "Zu uns zu kommen. Wir haben noch
soviel zu tun. Annalena." "Wer spricht hier
und was sollen wir tun?" fragte Annalena und
drehte sich in der Stube um. Der Weihnachtsmann stand an der Tür und
lächelte ihr zu. "Bist Du nun bereit?",
fragte er nochmals. "Herr, ich dachte , sie
könnten meinen Wunsch nicht erfüllen?" dabei zeigte sie auf das Auto
und die Schale mit Obst und Plätzchen. "Hab ich auch nicht, Engelchen" "Aber..." "Ich hab dir
doch gesagt, das meine Kraft dazu nicht ausreicht." "Aber..." "Nur ein Engel kann das"
sagte der Weihnachtsmann und wies mit seiner Hand auf das Bett in der Ecke der
Stube, in dem eine Gestalt lag. Annalena lief langsam zum Bett und warf einen
Blick auf die darin liegende Person. "Aber..." "Ja, Engelchen"
"Aber..." "Ja, ich weiß. Bist du nun bereit?" "Können sie mich sehen?", fragte Annalena und zeigte dabei auf ihre Mutter und auf
ihren Bruder. "Nein, Engelchen"
"Kann ich nicht noch bleiben? Mama... sie
weint doch so sehr." "Nein, Engelchen. Wir
haben noch viel zu tun" "Kann ich wieder
kommen?" "Jedes Jahr, Engelchen. Jedes Jahr
zu Weihnachten" Der Weihnachtsmann, nahm
Annalena an die Hand und beide wurden für einen kurzen Moment sichtbar.
Jedoch nur Fredy bemerkte dies. Für einen kurzen Moment sah er den
Weihnachtsmann, der seine Schwester an der Hand führte. Ein helles und
warmes Leuchten umgab beide. Annalena sah die glitzernden Augen und
lächelte, sie wusste nun genau was war. Mit dem Glockenschlag der
Christmette waren beide verschwunden. Zurück blieb nur ein kleiner
goldener Tannenzapfen und das Wort "ANNALENA", welches Fredy
ausgesprochen hatte. |
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(Weihnachtsgeschichte,
Dez. 2001 - von Volker Rothaug, einem Freund unseres
Webmasters)
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