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Eine Seite
zurück DIE KLEINE MILA
Die kleine Mila tappste durch den frisch
gefallenen Schnee und hinterlies eine Spur von der kleinen Hütte in
Richtung Stadt. Alles nur, durch ihr tolpatschiges Verhalten. Hätte sie
die Milch nicht umgestossen, dann wäre sie auch nicht bei dieser
Kälte aus dem Haus geworfen worden. Es war bitter kalt und der neu
fallende Schnee verklebte ihr die Augen. Es war ein ziemlich weiter weg in die
Stadt und es gab kein einziges Schlupfloch zum verstecken oder
ausruhen.
"Ich werd' bestimmt sterben
Hätte ich doch nur auf Mama gehört. Sie hat immer gesagt, ich soll
vorsichtig sein." Kleine Tränen flossen
aus Milas Augen und verklebten diese noch mehr. Wieder musste sie anhalten und
sich die Äuglein freireiben. Es brachte zwar nicht viel, denn nach wenigen
tappsigen Schritten waren die Augen wieder fast vollständig verklebt. Mila
tappste gerade unter einigen großen Bäumen hindurch, als ein Ast
seine schwere Last nicht mehr tragen kann und alles nach unten stürzte.
Genau auf die kleine Mila.
Nun lag sie
da, keiner weit und breit in der Nähe, der ihr hätte helfen
können. "Ich mag nicht mehr, Ich bleib
hier einfach liegen und sterbe." dachte sie
sich. Doch der innerliche Überlebenstrieb überzeugte sie vom
Gegenteil. Sie scharrte und schob, sie drückte und kratzte. Nach und nach
kam sie wieder frei. Aber der Weg in die Stadt war immer noch so weit, der
einzige Platz an dem Mila sich Schutz erhoffte. So ein weiter Weg, Die
Füße wurden immer schwerer und schwerer. Der einzige Lichtpunkt war,
dass der Schnee endlich aufgehört hatte zu fallen. Langsam kehrte die
Stadt in Sichtweite, "Wenn ich ganz lieb
bitte, dann bekomme ich vielleicht etwas zu trinken und zu essen. Vielleicht
sind dies ja nette Leute". Mila kratzte an
der Tür. Niemand öffnete. Mila kratzte nochmals, aber wiederum bekam
sie keine Antwort. "Gut, bis zur
nächsten Hütte schaffe ich es bestimmt auch noch. Was Mama wohl jetzt
macht und meine Brüder und Schwestern jetzt machen?" Mila tappste schwerfällig weiter. Stürzte, rappelte
sich auf und stürzte wieder. "Dort,
dort ist eine windgeschützte Ecke. Wenn ich es dorthin schaffe, dann habe
ich vielleicht eine Chance", dachte sie
sich. Langsam drückte sich Mila in die Ecke. "Wenn ich jetzt rufe, kommt ja vielleicht jemand."
Mila rief ganz laut. zumindest so laut
sie konnte. Nichts passierte. Wieder rutschte eine volle Ladung Schnee herunter
und begrub die Kleine unter sich. Nur mit letzter Kraft bekam Mila ihren Kopf
wieder frei. Nun verließ sie auch der letzte Funke von Hoffnung. Sie
wollte und konnte nicht mehr. "Dann bleib
ich hier! Ich bin so müde, ich werd' jetzt schlafen ... und dann ... ".
Als sich ihre Augen langsam schlossen,
erreichte Mila ein Lichtschein. "Oh! Der
Himmel, er ruft mich. Das schöne Licht. Bald kann ich wieder mit Oma
spielen ... ". Ein leises Summen erreichte
ihr Ohr. Große Hände hoben sie liebevoll auf und drückten sie
an die Brust. "Komm Kleines, wie kann man
dich an Weihnachten nur dieser Kälte aussetzen? Komm schon Kleines, ich
hab einen Teller Milch für Dich." Die
großen Hände streichelten über Milas Kopf und entfernten den
vielen Schnee von ihr. "Kleine Mieze, komm
und bleib bei mir, meine kleine Tatze." Mila
fing an zu schnurren. "Ich heiße aber
Mila", sagte sie - aber es kam nur ein
klägliches "Miau" heraus. "Komm
Tatze, komm ans Feuer und wärme dich. Hier: ein Teller mit Milch und was
zu Knabbern. Frohes Fest, meine kleine Tatze." Mila schaute mit grossen Augen auf die Milch und das
Knabberzeug. Dies muss wirklich Weihnachten sein. Dies alles nur für sie
alleine? Also gibt es doch wirklich ein Weihnachtsfest. Aber wenn es wirklich ein Weihnachtsfest gibt, dann ... dann
war ja die Frau ... die Frau vom Weihnachtsmann ...
(Weihnachtsgeschichte, Dez. 2000 - von Volker Rothaug, einem
Freund unseres Webmasters)
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